Das Tor zur Hölle

 

Heute ist mein Name Dr. Richard Ashberger, vor 40 Jahren war ich einfach nur Richi. Ein dickliches Kind mit wenigen, aber sehr guten Freunden. Seitdem hat sich viel getan. Ich habe mein Medizinstudium mit Auszeichnung abgeschlossen und arbeite nun seit 15 Jahren als Internist in einer Privatklinik. Wenn alles so weiterläuft, werde ich innerhalb der nächsten fünf Jahre zum Chefarzt befördert, dann habe ich mehr erreicht, als ich mir jemals erträumen konnte. Ich erzähle Ihnen das nicht, um anzugeben. Ich erzähle Ihnen das, weil Sie wissen sollen, dass ich ein Mann der Vernunft bin. Bei meiner medizinischen Arbeit, gerade im Bereich der Diagnostik ist das Prinzip der Sparsamkeit der Königsweg. Wenn es wie ein Herzinfarkt aussieht, ist es auch ein Herzinfarkt. Zumindest im Großteil der Fälle. Die Fakten zu beurteilen und daraus den einzig richtigen Schluss zu ziehen ist mein Beruf. Es deckt meiner Familie den Tisch und bezahlt den Sprit zu meiner Arbeit. Und deshalb komme ich zu dem Schluss, dass mein Freund Billy Thompson und ich vor 40 Jahren das Tor zur Hölle entdeckt haben. 

 

Obwohl dieses Erlebnis nun schon so lange her ist, hat es mich nie wirklich losgelassen. In ruhigen Momenten sitze ich oft da, denke an diesen einen Tag zurück und versuche zu verstehen, was damals passiert ist.

Der Sommer war lang und heiß. Billy und ich verbrachten die Ferien fast ausschließlich in der freien Natur. Wir kamen nur zum Schlafen nach Hause und manchmal taten wir nicht einmal das. Wir erkundeten die Gegend, gingen campen und angeln. Wir zogen immer größere Kreise, unsere Touren wurden von Tag zu Tag länger. Billy war ein guter Freund. Er war der Einzige aus meiner Klasse, der mich nicht wegen meines Sprachfehlers auf dem Kieker hatte. Heute weiß ich, dass mein Lispeln daherkam, dass meine Schneidezähne etwas schief gewachsen waren, erst ein paar Jahre später löste eine Zahnspange mein Problem. 

Unsere Tage liefen fast alle gleich ab. Schon morgens kam Billy mit seinem feuerroten Fahrrad die Straße hinuntergeschossen, stellte es auf unserem Rasen ab und lief zu dem Fenster meines Zimmers. Er klopfte exakt drei Mal und ich wusste, uns stand ein Abenteuer bevor. Jetzt hieß es schnell den Kakao trinken, das Lunchpaket einpacken und Mama zum Abschied einen Kuss auf die Wange geben. Dann lief ich zum Schuppen und schwang mich auf mein eigenes Fahrrad.

 

Billy und ich hatten nie wirklich einen Plan. Wir ließen uns treiben; war der Tag kühl, radelten wir weite Strecken, ab und zu auch in die nahegelegenen Berge. War der Tag schon morgens von Hitze geprägt, fuhren wir nur ein paar Kilometer zum See, zogen unsere Bahnen und übten Arschbomben. Der Morgen, von dem ich erzählen will, war besonders kühl. Es hatte sich viel mehr Tau auf den Pflanzen niedergeschlagen als sonst und meine Mutter hatte mir sogar einen Pullover mitgegeben. 

Es war klar, dass dieser Tag, der unserer bisher längsten Reise werden sollte. Wir traten in die Pedale und legten schnell die ersten Kilometer zurück. Wir radelten an unserer verwaisten Schule vorbei und an Mrs. Fishers Imbissbude. Diesen Bereich der Stadt hatten wir schon ausgiebig erkundet und hatten ihm jedes Geheimnis entlockt. Es gab keinen Grund, hier kostbare Zeit zu verschwenden. Billy schlug vor, dass wir zu dem alten Aussichtspunkt in die Berge fahren sollten. Der Weg war zwar lang, aber von dort hätten wir einen tollen Blick über unser Königreich. Heute muss ich über das Wort „Königreich“ schmunzeln, damals wusste ich genau, was Billy meinte. Wir sahen alles, was wir mit unseren Rädern erreichen konnten, als unser an. Die Fahrt zu dem Aussichtspunkt verlief unspektakulär. Ich bin mir heute auch nicht mehr sicher, wie lange wir für die Strecke gebraucht hatten, aber zwei Stunden werden es sicher gewesen sein.

Die letzten Meter waren von einer höllischen Steigung geprägt. Erst standen wir in den Pedalen und strampelten, dann hatten wir ein Einsehen, stiegen ab und schoben den Rest des Weges. Mit hochroten Köpfen und schwer atmend kamen wir oben an, aber die Anstrengung hatte sich gelohnt. Für lange Jahre war dies die beeindruckendste Aussicht, die mir vergönnt war. 

 

Vielleicht romantisiere ich den damaligen Moment, vielleicht spielten mein junges Alter und der schwere Weg auf den Berg eine größere Rolle als ich mir damals eingestehen wollte, aber die Aussicht war atemberaubend. Wir verbrachten eine gute Weile damit unsere Elternhäuser zu suchen, die Schule, den Sportplatz und das Kino – für das wir nie Geld hatten - dann wurde unsere Ruhe gestört. Erst war es nur ein dumpfes Dröhnen in der Ferne, kurz darauf mischte sich ein Johlen darunter. Mir war schnell klar, was sich da lärmend die Bergstraße hinaufbewegte. Wir waren nicht die Einzigen, die auf die Idee gekommen waren, sich hier oben ein paar schöne Stunden zu machen. In wenigen Augenblicken würden mehrere Autos voller Jugendlicher den Aussichtspunkt erreichen. Unser Königreich wurde angegriffen und wir hatten keine Chance in diesem Kampf. Sie waren mehr, sie waren stärker und sie wollten definitiv nicht mit uns Kindern abhängen. Wir legten genauso wenig Wert auf ihre Anwesenheit oder eine Tracht Prügel und so schwangen wir uns wieder auf unsere Räder und fuhren in die entgegengesetzte Richtung davon. Mit diesem Rückzug begann unser Abenteuer erst richtig.

Über die nächsten Minuten konnte ich einen schnellen Wechsel der Umgebung beobachten. Wir radelten nun durch eine Art trockener Steppe. Die hohen Pinien, die den Berghang säumten, waren verschwunden. Sträucher, Büsche und hüfthohes Gras prägten das Landschaftsbild. Nirgends gab es einen Flecken Schatten und die Mittagssonne brannte nun doch so sehr, dass ich mir wünschte, wir wären heute zum See gefahren. Gerade als ich Billy überzeugen wollte, dass nur eine Umkehr sinnvoll war, kam die Rettung in Form einer alten, verwahrlosten Blockhütte, die etwas abseits des Feldwegs auf einer braun verbrannten Wiese stand. Wir mussten sie einfach untersuchen. 

 

Tausend aufregende Gedanken schossen mir durch den Kopf. War sie verlassen? Wohnte noch jemand in der Hütte? Wenn ja, wer? Und warum? Was war darin? Ich blickte zu Billy herüber und konnte sehen, dass auch er sich dieselben Gedanken machte. Wir stiegen ab und schoben unsere Räder über den zerfurchten Boden zur Hütte hinüber. Der Sommer hatte seinen Tribut gefordert. Die rissige Erde staubte unter unseren Füßen. Aus der Ferne musste es so ausgesehen haben, als würde eine Herde Kühe sehr langsam auf die Hütte zustürmen.

Mit jedem Schritt, dem wir unserem Ziel näherkamen, erkannte ich, dass in dieser Hütte definitiv niemand mehr wohnen konnte. Die Fensterscheiben waren eingeschlagen und rund um die Hütte war der Abfall unserer Vorgänger verteilt. Bierflaschen und Coladosen lagen um einen kreisrunden Fleck im Rasen, der wohl einst als Feuerstätte gedient hatte. Wir stellten unsere Räder neben die Eingangstür und ich drückte die Klinke hinunter. Die Tür war nicht verschlossen, dennoch gelang es mir im ersten Moment nicht, sie zu öffnen. Ich lehnte mich mit meinem gesamten Gewicht dagegen und mit einem Ruck sprang sie auf, wobei ein paar Holzspäne aus der Unterseite der Tür brachen und sich über dem Boden verteilten. 

Im Inneren war es dunkler, als der helle Tag vermuten lassen würde. Leider gab es auch nicht viel zu entdecken. Die Hütte war, bis auf eine schiefe Werkbank auf der noch ein paar altertümliche Werkzeuge vor sich hin rosteten, leer. Auf einem Regal über der Werkbank standen Farbeimer und alles war mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Erst jetzt fiel mir auf, dass es in der Hütte angenehm kühl war und wie sehr mir der Magen knurrte. Wir setzten uns auf den Boden und machten uns über unsere Lunchpakete her, es gab belegte Brote und Orangensaft. Auch nach dem Essen blieben wir noch ein bisschen in der kühlen Hütte zurück und spekulierten darüber, wer diese Hütte wohl gebaut und warum er sie verlassen hatte. Wir kamen trotz der Anstrengung unserer gesamten Fantasie zu keiner zufriedenstellenden Lösung.

 

Irgendwann hatten wir alle möglichen und unmöglichen Theorien diskutiert und der Orangensaft wollte wieder heraus. Ich verließ die Kühle und suchte nach einem guten Platz, um mich zu erleichtern. Hinter der Hütte sah es fast genauso aus wie davor. Neben noch mehr Müll stand dort ein Stapel Feuerholz an der Rückwand. Nur ein paar Meter von der Hütte entfernt lag ein schweres Brett auf der trockenen Erde. Ich pinkelte an einen der Büsche und wollte mich gerade auf den Rückweg machen, als mir ein Schriftzug auf dem Brett auffiel „Nicht bewegen! Gefahr!“ war mit weißer Farbe auf das grau gestrichene Brett gepinselt worden. Ich betrachtete das Brett genauer und mir fiel auf, dass die kurzen Enden in einer Art Metallschiene eingefasst waren, die mit dem Holz vernagelt waren. 

Zuerst versuchte ich das Brett mit dem Fuß zu verschieben, aber ich hatte nicht genug Kraft. Auch mein zweiter Versuch das Brett an einer der langen Seiten anzuheben war nicht von Erfolg gekrönt. Ich rief nach Billy, denn ich wusste, auch er würde wissen wollen, was sich unter diesem Brett befand. Vielleicht hatte diese Hütte doch noch mehr zu bieten, als diese alte Werkbank. 

 

Dem ersten Impuls folgend stellten wir uns an den kurzen Enden des Brettes auf, griffen zu und ließen, laut stöhnend, sofort wieder los. Die Metallränder waren glühend heiß. Ich fluchte und rieb mir die schmerzenden Hände an der Hose. Billy tat es mir gleich, wobei er sich als Sohn strenggläubiger Eltern das Fluchen verkniff. Auf meinen Händen hatten sich kleine Brandblasen gebildet und entgegen meiner eigentlichen Natur hatte ich keine Lust mehr herauszufinden, was unter diesem Holzbrett war. 

Billy hingegen wollte nicht so schnell aufgeben. In Sekundenschnelle entwickelte er einen Plan. Wir würden beide an eine der langen Seiten anheben und das Brett einfach umstoßen. Gesagt, getan. Mit einem kräftigen Ruck war das Brett in der Vertikalen und mit einem sanften Stoß fiel es mit der Schrift voran zu Boden und wir hatten endlich einen freien Blick. 

Vor uns in der Erde gähnte ein Loch, es hatte einen Durchmesser von einem halben Meter und war so tief, dass weder Billy noch ich den Boden sehen konnten. Sofort flammten unsere Diskussionen über den Sinn der Hütte und das Schicksal seines Erbauers erneut auf. Billy meinte, es sei ein einfacher Brunnenschacht, er nahm einen nahegelegen Stein und warf ihn in die Schwärze. Wir hielten den Atem an und warteten auf den Aufprall. Das Luftanhalten war noch nie meine Stärke und so schwoll der Lärm des rauschenden Blutes schnell an. Wann kam endlich dieser Aufschlag? Wir wagten es nicht, uns zu bewegen.

 

Dann, mit einem lauten Zischen sog ich gierig die trockene Luft ein. Billy hatte auch nichts gehört, wobei er anmerkte, dass ich so viel Lärm gemacht hätte, dass er den Aufprall überhört haben könnte. Um seine These zu prüfen, warfen wir einen zweiten Stein hinterher und einen dritten. Wir konnten nichts hören. Ich nahm eine der leeren Bierflaschen und warf sie ebenfalls in das Loch. Vielleicht würden wir ja hören wie die Flasche am Grund des Schachtes zerbrach. Der Flasche folgte eine der Dosen und nochmal eine Flasche, aber alle unsere Versuche die Tiefe des Schachtes zu ermitteln scheiterten.

Mir war klar, dass das kein Brunnenschacht sein konnte. Jedes Jahr, bis zu seinem Tod im letzten Winter, hatte ich ein paar Wochen meiner Ferien bei meinem Opa auf seiner Farm verbracht. Jedes Jahr bohrte er im Sommer einen neuen Brunnenschacht und keiner war so tief, dass man den Aufschlag eines Steins nicht hören konnte. Dafür waren wir viel zu nah am Meer. Leider konnte ich Billy auch keine bessere Erklärung für das Loch im Boden liefern. Nachdem wir mindestens ein Dutzend Steine, Flaschen und Dosen in das Loch geworfen hatten, änderten wir unsere Strategie. 

Wir hatte das Interesse an unseren geologischen Forschungen verloren und begannen mit einem kleinen Wettbewerb im Zielschießen. Wir gingen zehn Schritte von dem Loch weg, nahmen uns eine Hand voll Steine und versuchten abwechselnd Steine in das Loch zu werfen, so nah wie möglich an das Loch zu werfen ohne, dass sie hineinfielen oder möglichst knapp hinter das Loch zu werfen. Billy gewann fast jedes Mal. Er war schon immer der bessere Athlet gewesen, dafür war ich der Mutigere von uns beiden. 

Ich beschloss unseren Wettkampf auf eine andere Ebene zu heben, nachdem er schon wieder sämtliche seiner Steine zielgenau in das Loch befördert hatte. Einen davon sogar indem er ihn über seine Schulter warf. Ich forderte Billy zu einer Mutprobe heraus. Er würde sich sicher nicht trauen sich auf den Boden zu legen, an das Loch heranzukriechen und seinen Kopf hineinzustecken. Ich bekam die klassische Billy Reaktion: „Du zuerst“ und er ließ sich auch nicht umstimmen. Somit würde ich die Mutprobe gewinnen, wenn ich mich meiner eigenen Aufgabe stellen würde und genau das tat ich auch. Ich lief mit festem Schritt zu dem Loch hinüber, ging einen knappen Meter davor in die Knie und legte mich anschließend flach auf den Bauch. Mein Kopf war nur noch wenige Zentimeter vom Rand entfernt. Ich umfasste die Kante und stellte zu meiner Überraschung fest, dass die Erde rund um das Loch bei weitem wärmer war, als die auf der ich lag. Während ich mich langsam an das Loch heranzog, spürte ich einen warmen Luftzug, der meine Finger streifte. Mein Oberkörper hatte meine Hände schon fast überholt. Ich konnte Billy hinter mir schwer atmen hören, drehte mich aber nicht um. Ich war vollkommen auf das konzentriert, was da vor mir lag. Nun endlich hatte ich es geschafft. Mein Kopf ragte bis zum Schulteransatz über den Rand hinaus und ich starrte in die Finsternis. Ein deutscher Philosoph sagte einmal, wenn man lange genug in den Abgrund hineinschaut, schaut der Abgrund irgendwann in einen zurück. Dieses lange genug war in meinem Fall nicht sehr lange. Zuerst nahm ich einen unangenehmen Geruch nach faulen Eiern wahr, der mir aus dem Loch entgegenströmte. Billy roch nichts, aber er stand auch mindestens fünf Meter weit von mir entfernt. Dann spürte ich wieder diesen warmen Luftzug. Wie gebannt starrte ich in die Dunkelheit. Meine Augen versuchten irgendetwas zu erkennen. Eine Kante, eine Schräge oder den Grund des Schachtes aber alles was ich sah, war die Dunkelheit an einem heißen Sommertag. Ich weiß heute nicht mehr genau, was ich mir dabei gedacht habe, aber ich streckte einen Arm aus und griff in die Dunkelheit. Ich tastete die Erde am Rand des Schachtes ab. Sie war warm und feucht. Sie fühlte sich unangenehm und unnatürlich an. Erdbrocken lösten sich und stürzten in die Tiefe. Ich drehte mich auf die Seite, um noch ein paar Zentimeter tiefer zu kommen. Dann geschah es. 

 

Die Wärme wurde zu Hitze, der Geruch wurde zu Gestank und ich spürte einen Ruck an meinem Arm, der mich über die Kante in das Loch zog. Ich schrie, wie ich noch nie in meinem Leben geschrien hatte. Billy war zwar ein Feigling aber, auch ein treuer Freund. Ich spürte einen zweiten Ruck an meinem Bein und für einen kurzen Moment hatte ich Angst davor zerrissen zu werden. Billy schrie und zerrte mit seiner ganzen Kraft an meinem Bein. Ein dritter Ruck und ich war frei. Billy stürzte rückwärts zu Boden und landete unsanft auf dem Hintern, ich drehte mich schwer atmend und benommen auf den Rücken. Der sanfte Flaum auf meinem Arm war versengt und meine Kleidung stank erbärmlich nach faulen Eiern. Mir war schlecht und ich hatte Kopfschmerzen. Ich hatte keine Kraft, um aufzustehen.

Ich weiß nicht wie lange wir so verweilten, aber irgendwann standen wir wortlos auf, schwangen uns auf unsere Räder und fuhren nach Hause. Weder Billy noch ich sagten während der Fahrt irgendetwas und auch am nächsten Tag schwiegen wir über die Erlebnisse bei der alten Blockhütte. Den Rest der Ferien verbrachten wir in der Sicherheit unseres Königreiches. Vom Badesee zur Imbissbude und zurück. 

Der Spaß kam irgendwann zurück und ich vergaß, oder besser gesagt, verdrängte was passiert war. Bald darauf ging die Schule wieder los und das Leben folgte seinem gewohnten Gang. Dennoch, in stillen Momenten dachte ich an diesen Moment zurück. An die Schwärze, an den Gestank und was auch immer danach passiert war. Hatte ich mich einfach zu weit vorgewagt und wäre fast in das Loch gefallen? Es ist die einzig sinnvolle Erklärung, aber auch sie ist unbefriedigend. Wie sollte ich liegend in ein Loch fallen? Was war da? Und warum war Billy so verdammt schnell zur Stelle? Fragen, auf die ich wohl niemals eine Antwort bekommen werde.

 

Vor ein paar Tagen war ich wieder in meiner alten Heimat, die Abschlussklasse der High School traf sich zum Jubiläum. Billy war nicht da, er ist zurzeit beruflich irgendwo in Europa unterwegs. 

Die Stadt hat sich stark gewandelt. Sie ist nun größer, moderner und teurer. Ein neues Königreich auf den Ruinen eines alten. Die Vororte haben sich bis zu dem alten Aussichtspunkt ausgebreitet. Die Feldwege meiner Kindheit sind geteerten Straßen gewichen und so konnte ich es mir nicht verkneifen mit dem Auto dort entlangzufahren, wo wir vor 40 Jahren mit dem Rad unterwegs waren. Ich fuhr die Strecke zweimal ab. Ich versuchte in dem spärlich bebauten Gebiet die Stelle zu finden, an dem die alte Holzhütte gestanden hatte. Aber sie war nicht mehr da, dort wo sie einst stand, ist nun der Parkplatz einer Raststätte.